Brunello Annata 2018
Brunello di Montalcino lebt von Jahrgangsunterschieden, und nach dem heißen, trockenen 2017er zeigt die Annata 2018 ein deutlich anderes Gesicht. Dieser Jahrgang steht nicht für Wucht und Opulenz, sondern für Frische, Feinheit und Transparenz. Genau darin liegt sein Reiz. Die Vegetation verlief ausgeglichener, der Sommer blieb vergleichsweise moderat, und die Trauben konnten langsamer und gleichmäßiger reifen. Superiore beschreibt das treffend als Reifeprozess „gradually and in a very balanced way“.
Im Glas wirkt 2018 deshalb häufig schlanker und klassischer als das Vorjahr. Decanter schrieb, die Weine seien „nothing like the brawny 2017s“ und oft von „slender structure“. Viele 2018er Brunello setzen nicht auf Masse, sondern auf rote Frucht, florale Noten, lebendige Säure und feinere Tannine. Das macht sie besonders attraktiv für alle, die Brunello nicht nur als kraftvollen, sondern als nuancierten Herkunftswein schätzen.
Zugleich war 2018 kein Selbstläufer. Regenphasen und Schauer vor der Lese verlangten viel Gefühl im Weinberg und beim Erntezeitpunkt. Deshalb ist der Jahrgang stärker von der Handschrift des Erzeugers geprägt als manch anderer. Wo präzise gearbeitet wurde, entstanden elegante, saftige und sehr ausgewogene Weine. Wo man dem Jahrgang mehr Kraft abringen wollte, als er natürlicherweise mitbrachte, geriet die Balance mitunter ins Wanken. Decanter bringt das knapp auf den Punkt: „the vintage really came down to producer“.
Gerade deshalb ist 2018 ein spannender Brunello-Jahrgang. Er zeigt weniger Größe im klassischen Sinn als vielmehr Form, Frische und Herkunft. Bei superiore.de wird er als „a mixture of the fresh 2008 and the elegant 2013“ beschrieben – eine schöne Einordnung für Weine, die oft früh zugänglich sind und dennoch Charakter besitzen. 2018 ist also kein lauter Jahrgang, sondern einer der feineren Töne. Für viele Liebhaber dürfte genau das seine Stärke sein.
