Ein kostbarer Schatz in Rubinrot

Der Brunello di Montalcino ist einer der besten Rotweine der Welt

Der edle Tropfen aus der Toskana profitiert von idealen klimatischen Bedingungen

Als der toskanische Winzer Ferruccio Biondi Santi im Jahr 1888 auf seinem Weingut “Il Greppo” aus einem Klon der Sangiovese-Traube erstmals einen als “Brunello” bezeichneten Wein produzierte, war dies die Geburtsstunde des Brunello di Montalcino. Noch heute ist dieser sortenreine edle Tropfen mit dem DOCG-Siegel eine wichtige Messlatte für die besten Weine der Welt. Er ist vielleicht sogar das kostbarste Gewächs seines Heimatlandes. Obendrein kann sich der Brunello di Montalcino mit seinen großen französischen Konkurrenten messen lassen.

Spitzenpreise auf New Yorker Speisekarten

Seit den 1980er Jahren stößt der Brunello di Montalcino als einer von sieben DOCG-Weinen der Toskana auf ein stetig wachsendes internationales Interesse. Er ist die Antwort der Region auf den im Piemont erzeugten Barolo. Die Anbaufläche wurde im Laufe der Zeit stark ausgeweitet, die Zahl kleinerer und größerer Kellereien wuchs rasant. Da der Brunello im Handel nicht selten Preise von weit über 100 Euro erzielt und sich auf New Yorker Speisekarten sogar für 500 bis 1.500 Dollar wiederfindet, verwundert es nicht, dass in den zurückliegenden Jahren viel Kapital aus dem In- und Ausland nach Montalcino geflossen ist, um diesen kostbaren rubinroten “Schatz” zu heben. Wie viel Geschäft mit dem Brunello zu machen ist, zeigt sich auch an den Bodenpreisen: Sie sind so schnell gestiegen wie nirgendwo sonst im Land – im Jahr 2008 auf 300.000 bis 500.000 Euro für einen Hektar Weinberg.

Der Brunello wird knapp 50 Kilometer südlich von Siena, in einer hügeligen Landschaft zwischen den Flüssen Orga, Ombrone und Asso, angebaut. Er profitiert dort vom typischen Mittelmeerklima, dem eigentlichen Geheimnis seiner hohen Qualität. Hier im tiefen Süden der Toskana bildet das Weinstädtchen Montalcino mit seinen rund 10.000 Einwohnern das Tor zur Maremma, dem heißesten Landstrich der Toskana. Die Temperaturen sind deutlich höher als in anderen Anbaugebieten der Sangiovese-Traube. Die Hitze wird allerdings durch die Höhenlage und die vom Tyrrhenischen Meer kommenden Winde gemindert. Eine leichte Brise sorgt während der heißesten Sommermonate für Kühlung und Ventilation. Das Sonnenlicht kann sich in dem hügeligen und in alle Richtungen offenen Gelände ungehindert ausbreiten. Bei derart idealen Bedingungen kann der Brunello optimal reifen. Ein weiterer Vorteil des kleinen Anbaugebiets sind die steinigeren, nicht so fruchtbaren Böden. Hier können sich konzentrierte, langlebige Weine entwickeln.

Der Aristokrat unter den Weinen Italiens

Der berühmte und prestigeträchtige Brunello kann frühestens fünf Jahre nach der Ernte genossen werden. Denn erst eine Mindestreifezeit von vier Jahren in Holzfässern und in der Flasche verleiht dem Rotwein seine Fülle und Intensität. Für den Brunello di Montalcino Riserva gibt es die Handelsfreigabe wegen des längeren Ausbaus erst ein Jahr später – also ab dem 1. Januar des siebten auf die Weinlese folgenden Jahres. Manche Jahrgänge werden sogar 20 Jahre oder bis zu 40 Jahre ausgebaut. Den Höhepunkt seiner Reife erreicht der edle Tropfen in der Phase zwischen dem sechsten und dem 15. Jahr.

Beschreibungen zu dem Aristokraten unter den Weinen Italiens gibt es etwa so viele wie Reben auf den Hängen der Weinberge. über ihren kommunikativen Wert lässt sich trefflich streiten. Dennoch ein Versuch: Der Brunello di Montalcino besitzt einen reichen und bezaubernden Duft, der an Veilchen erinnert. Seine Konstitution ist kraftvoll und körperreich, sein Geschmack trocken und warm. In jungen Jahren hat der Brunello wegen seines hohen Tanningehaltes eine zarte Bitternote. Mit zunehmendem Alter wird er dank des langen Ausbaus im Holzfass (Eiche oder Kastanie) immer geschmeidiger und runder. Der Brunello di Montalcino ist in seiner geschmacklichen Qualität einzigartig, sein Charakter ist vornehm und kraftvoll. Seine Fülle, üppigkeit und Größe sorgen für eine sehr lange Lebensdauer. Unter dem Strich beeindruckt der große Brunello durch Rasse, samtige Fülle und außergewöhnliche Eleganz – gepaart mit ansprechender Farbe, einem ausdrucksvollen Duft und einem großen Reichtum an Geschmacksstoffen.

Der Brunello ist ein Exportschlager

Vom Brunello di Montalcino werden heute jährlich rund sieben Millionen Flaschen produziert, die meisten für den Export. 256 Produzenten sorgen für einen Jahresumsatz von rund 120 Millionen Euro. So hohe Erlöse sind nur durch eine Ausweitung der Anbaufläche auf inzwischen rund 2.000 Hektar möglich geworden. Da sich darunter aber offensichtlich Lagen befinden, die sich nicht besonders gut für ein so qualitativ hochstehendes Produkt wie den Brunello eignen, müssen Weinfreunde Qualitätsschwankungen in Kauf nehmen. Patrizio Cencioni, Präsident des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino, hält die derzeitige Flächenvolumen jedoch für angemessen, damit “wir die Nachfrage nach unseren Weinen befriedigen können”. Dennoch stellt sich die Frage, ob weniger am Ende vielleicht nicht doch mehr wäre. Schließlich hat sich Cencioni auf die Fahnen geschrieben, “den Ruf, den sich der Brunello in den letzten Jahrzehnten erarbeitet hat, weiterhin zu stärken”. Die Anzahl der Sterne für die nächsten Jahrgänge und die mit der Marktreife neuer Annatas verbundenen Verkostungen werden erste Aufschlüsse liefern. (mh)

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